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Viele Karten enthalten Reiseversicherungen. Doch lohnen sie sich?

Viele Karten enthalten Reiseversicherungen. Doch lohnen sie sich?

Foto: rp

Test Kreditkartenversicherungen

Doppelt hält nicht besser

Neben der Möglichkeit, bargeldlos im Ausland zu bezahlen, beinhalten viele Kreditkarten einen zusätzlichen Schutz für Reisende, darunter Reiserücktritts- und Auslandskrankenversicherungen. Doch oft gelten die Leistungen nur, wenn die Reise mit Kreditkarte bezahlt wurde.

Wenn ein Volk überversichert ist, dann sind es die Deutschen! Was immer wieder durch die Medien geistert, gewinnt beim Thema Reisen schnell an Relevanz. Viele sind über eine Jahresreiseversicherung gegen alle Eventualitäten abgesichert, oft liegt außerdem schon seit Urzeiten ein 10-Euro-Auslandskrankenschutz in der Schublade. Und flink wird bei der Reisebuchung noch schnell eine Reiserücktrittsversicherung oder gar ein ganzes Rundum-sorglos-Paket ab - geschlossen – in dem festen Glauben, man wäre nicht ausreichend versichert. Wer dann noch privat krankenversichert, Mitglied in einem Automobilclub ist – oder die richtige Kreditkarte hat –, ist auf so mancher Ebene schnell doppelt und dreifach versichert.

Versicherungsschutz durch »Gold«-Karten

Schenkt man den Kreditkarteninstituten Glauben, könnte man glatt meinen, klassische Reiseversicherungen wären überflüssig. Wer die richtige Karte besitzt, heißt es da, brauche für den Auslandsschutz kein zusätzliches Geld auszugeben, denn viele der Leistungen gehören in Zusammenarbeit mit einer Versicherungsgesellschaft zum Angebot des Karteninstituts. Doch aufgepasst: Bei Kreditkarten, die kostenlos oder für eine geringe Jahresgebühr (bis etwa € 35) angeboten werden, gehören Versicherungen selten bis gar nicht zum Leistungsumfang. Anders bei den »Gold«-Karten, die für eine Jahresgebühr von € 40–140 zu haben sind. Unser Test soll klären, inwieweit die Leistungen dieser Kreditkarten mit einem klassischen Versicherungsschutz mithalten können.

Unabdingbar ist es, in die Paragrafen der AGBs einzusteigen. Vielfach ist dort nämlich zu lesen, dass die geplante Reise – zumindest in Teilen – mit der jeweiligen Kreditkarte bezahlt werden muss. Das wiederum kann sich der Kunde nicht immer aussuchen, schließlich akzeptieren viele Reisebüros und Veranstalter keine Kreditkarten. Weil sie ihre Leistungen stets unabhängig vom Karteneinsatz anbietet, sticht in diesem Punkt die »ReiseCard Gold« der HypoVereinsbank positiv heraus. Wer sich allerdings die Vorteile dieser Karte sichern möchte, muss, wie bei der »VR-Goldcard« der Berliner Volksbank und vielen anderen Kreditkarten, ein Girokonto beim gleichen Institut haben oder eröffnen.

Dass doppelt nicht besser hält, beweist die Tatsache, dass der Versicherungsschutz über die Karte nicht greift, wenn der Karteninhaber zusätzlich über eine klassische Police versichert ist: American- Express-Pressesprecherin Carola Obergföll weist darauf hin, dass die angebotenen Reiseversicherungsleistungen der Karte »streng subsidiär « sind, d. h. nur in dem Fall zu erbringen sind, wenn ein Dritter, z. B. ein anderer Versicherer, nicht zur Leistung verpflichtet ist. Dafür sind über die Karte häufig nicht nur der Karteninhaber, sondern auch bis zu fünf Mitreisende versichert.

Ehepartner und Kinder sind mitversichert

In jedem Fall gehören der Ehe- oder Lebenspartner sowie die minderjährigen Kinder dazu, oft auch Nachwuchs unter 25, der noch in der Ausbildung steckt und unverheiratet ist.

Positiv ist ebenfalls, dass für den Auslandskrankenschutz der Karten in der Regel keine Altersbegrenzung besteht, während klassische Policen den Beitrag von Versicherten über 65 z. T. über hundert Prozent steigern (z. B. Hanse Merkur: Statt € 10 werden dann € 25 pro Jahr fällig).

Einen Sonderfall stellen die Sparkassendar, die mit ihrer »Gold«-Karte kein national einheitliches Produkt haben. Bei der Hamburger Sparkasse, einer der größten Banken im Verbund, die wir im Test als Beispiel für die Sparkassen-»Gold- Karte« heranzogen, ist eine weltweite Verkehrsmittel-Unfallversicherung in der Karte enthalten – der KFZ-Schutzbrief gilt aber nur im Ausland, nicht, wie z. B. bei der Sparkasse Mittelfranken-Süd, auch im Inland.

Generell gilt für alle untersuchten Karten: Die Versicherungsleistungen bleiben die gleichen, egal ob ein Mastercard- oder Visa-Logo auf der Karte prangt.

Schwach: Reiserücktritt und Krankenschutz

Neben den gängigen »Gold«-Karten haben wir im Test auch spezielle Reise-Kreditkarten unter die Lupe genommen. Hier fällt auf: Je spezieller der Anbieter, desto spezieller auch das Angebot. Die »ADACmobil Karte Gold« umfasst z. B. einen Rechtsschutz in Mietwagenfragen, ist allerdings nur für ADAC-Mitglieder erhältlich (Standard- Jahresgebühr € 44,50). Die »TUI Card Gold« inkludiert zwar Versicherungen ohne Selbstbehalt, greift aber ausschließlich bei Reisen der TUI-Gruppe. Ein schlechter Witz für Urlauber ist die »Airberlin- Card«: Versicherungen um - fasst nur die Kartenvariante mit Business-Paket – und die wiederum darf grundsätzlich nur für geschäftliche Zwecke genutzt werden – was sich erst nach langwieriger Recherche im Kleingedruckten herausstellt.

Unterm Strich zeigt sich, dass kaum eine der getesteten Kreditkarten mit einer klassischen Versicherungspolice mithalten kann – auch preislich nicht. Im Vergleich zu einer günstigen (bzw. kostenlosen) Kreditkarte zahlt man für eine »Gold«-Karte im Schnitt etwa € 50 mehr. Im Fall von Reiserücktritt oder -abbruch wird meistens ein Selbstbehalt von mindestens € 100 fällig. Für € 50 ist aber auch eine klassische Rücktritts- und Abbruch- Police ohne Selbstbehalt zu bekommen. Weitere € 10 pro Person und Jahr kostet eine gängige Auslandskrankenversicherung (ohne USA/ Kanada), die meist für Reisen von bis zu 42 bis 56 Tagen ausgelegt ist.

Im Notfall ein kleiner, aber feiner Unterschied: Traditionelle Policen garantieren häufig den »medizinisch sinnvollen« Rücktransport nach Hause, im Kleingedruckten der Kreditkartenleistungen dagegen war oftmals zu lesen, dass nur der »medizinisch notwendige« Rücktransport gewährleistet ist.

Unser Fazit

Zusatzleistungen wie Gepäck- und Verkehrsmittel- Unfallschutz sind nette Ex - tras, die allerdings die Mehrkosten einer »Gold«-Karte nicht rechtfertigen. Bei den beiden wichtigsten Themen Reiserücktritt/- ab bruch und Gesundheit sollte lieber auf klassische Policen zurückgegriffen werden. Ggf. eine Alternative zur Mitgliedschaft in einem Automobilclub könnte eine Kreditkarte mit inkludiertem KFZ-Schutzbrief sein.

(REISE & PREISE 2-2013)
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